Kunst des Kochens
Kochen und Essen sind nicht
nur Mittel zum Genuss. Eine ganze Philosophie steckt dahinter.
"Behandle die Speisen, als seien sie für den Kaiser gedacht. Trachte
danach, auch im geringsten Blättchen Buddhas Ruhm zu erhöhen", sagen die
Zen-Buddhisten. Und geben damit die wichtigste Zutat ihrer Küche Preis:
"Kei" (Respekt).
Zen-Köche meiden alles, was den Körper träge macht und den Geist
vernebelt. Die verwendeten Lebensmittel müssen frisch, reif und
natur belassen sein. Weißer Reis ist die Grundlage für Gerichte mit
Gemüse, Getreide, Fisch und Fleisch. Die Zutaten werden sorgfältig
gewaschen, achtsam zerkleinert, schonend zubereitet und stecken deshalb
voller Reinheit ("Sei") und Harmonie ("Wa"). Ganz wichtig für die
kulinarische Erleuchtung ist das ausgeglichene Verhältnis von Yin- und
Yang-Energie. Hühnchen, Süßkartoffeln, Pfeffer, Ingwer und Knoblauch
stärken das Yang.
Eier, grüne Bohnen, Käse, Wassermelonen und Salz wirken dagegen positiv
auf das Yin. Speisen sollten nicht eingefroren und dürfen nur bis zu 24
Stunden nach der Zubereitung aufgewärmt werden. Kochen ist Meditation.
Essen auch: ...Nehmen Sie sich für jeden Bissen Zeit und versuchen Sie,
die verschiedenen Aromen herauszu-schmecken. Einfaches Gericht für
Einsteiger: Koriander-Reis. Er hilft, Schlacken aus dem Körper zu
ziehen. Den Reis einfach in Salzwasser kochen und mit viel frischem
Koriander mischen. Das Gericht bringt europäische Geschmacksnerven nicht
gleich beim ersten Mal zum Jubilieren. Zen bedeutet eben manchmal auch
Überwindung.
Quelle: Modern Living 10/01





